Warum macht vegan so wütend?

Diese gehässigen Sprüche und feindseligen Kommentare- „dann esse ich halt Veganer“
oder „das Huhn hat es nicht anders verdient, das ist sein Schicksal“ oder die komplette Realitätsverweigerung „als Mensch brauchst Du Fleisch“ obwohl vor ihnen jemand sitzt, der seit 16 Jahren kein Fleisch gegessen hat… Ich wundere mich…
Die Aggressivität, die Veganer*innen entgegenschlägt ist faszinierend. Sie hat insbesondere damit zu tun, dass das, was Allesfresser*innen aus ihrem Bewusstsein wegdrücken, durch die erfolgreiche Lebensweise von Veganer*innen hinaufbefördert und der Mensch dadurch herausgefordert wird. Es ist schwer auszuhalten, dass man freiwillig Dinge tut und (finanziell) unterstützt, die man verurteilt, die man im Unterbewusstsein vergraben hat, die dort aber nicht mehr bleiben wollen, sondern immer wieder ans Licht wollen. Menschen, die gesund vegan leben, zeigen, dass dieses Verdrängen nicht notwendig ist. Ein Leben, das frei davon ist, ist möglich, und wird von immer mehr Menschen praktiziert. (Gleichwohl haben Veganer*innen auch ihre eigenen Baustellen und kognitiven Dissonanzen.)

Hier hat der Nau.ch einen tollen Artikel darüber geschrieben:

https://www.nau.ch/lifestyle/gesellschaft/warum-macht-vegan-so-wutend-65725238

Und hier in der Emma ein toller Artikel über ein Praktikum im Schlachthof:

https://www.emma.de/artikel/mein-praktikum-im-schlachthof-263625

Und noch einer, in dem es um die Arbeitsbedingungen der Frauen bei Tönnies geht:

https://www.emma.de/artikel/schweinerei-eine-frau-hebt-toennies-sumpf-aus-337907

Wenn ich mir das alles so durchlese, dann kann ich meinen Blogtitel auch zu „warum Fleischesser mich wütend machen“ umbenennen.

6 Antworten auf “Warum macht vegan so wütend?”

  1. Die Situation sich für den eigenen Lebensstil Rechtfertigen zu sollen kennt glaube ich jeder Mensch der sich vegan ernährt bzw nur vegane Produkte kauft. Ich vermeide bewusst die Bezeichnung Veganer/in weil das schnell zu unnötigem Schubladendenken führt.
    Es gibt sehr viele unterschiedliche Gründe auf tierische Produkte zu verzichten.
    Welche Gründe das genau sind sollte keiner Rechtfertigung bedürfen.

    In der Realität wird man aber noch oft genug damit konfrontiert, dass für so eine persönliche Entscheidung ganz selbstverständlich eine Begründung für verlangt wird.

    Ich persönlich habe mittlerweile eine eher unkonventionelle Methode
    damit umzugehen, weil mir klar geworden ist, dass sich die aus meiner
    Sicht vernünftigen und auch die wissenschaftlich basierenden
    Argumente die für Veganismus sprechen bei Menschen die schon mit
    dem Schubladendenken über „DEN Veganer“ ankommen
    oft Zeitverschwendung sind und sich die standard Diskussion dann im
    Kreis dreht.

    Deshalb hier meine Strategie, die jede/r gern auch selbst „als geheim
    Waffe“ nutzen darf wenn man in so eine festgefahrene klischee
    Diskussion verwickelt wird.

    Ich nehme jetzt die Frage „Warum bist Du Veganer?“ als
    Ausgangspunkt.

    1.“Aus ganz persönlichen Gründen“
    -Da merken schon viele, dass sie sich in einen Bereich einmischen bei
    dem sie selbst auch keine Einmischung wünschen.
    Oft kommt dann aber trotzdem die Frage nach diesen persönlichen Gründen. Dann bleibe ich aber noch auf der Ebene und hoffe auf
    Einsicht mit:
    2.“Aus guten Gründen“.
    -Hier sieht man dann ob jemand versteht, dass es sich eben um einen
    persönlichen Bereich handelt.
    Falls nicht, und keine Einsicht erfolgt wäre das normalerweise der
    Einstieg in die polarisierende standard Diskussion.
    Aber an der Stelle Frage ich mittlerweile einfach:
    3.“Hast Du dich schon mal gefragt ob im Leben alles auf einen zurück
    kommt? Und würdest Du sagen einen Wesen mit höherer Intelligenz
    hat das recht dich aus Spass aufzufressen?“
    -Erstaunlich oft sind diese zwei Fragen ein Trigger, der Menschen dazu
    bring Veganismus zum ersten mal ernst zu nehmen.
    Wenn das aber auch nicht weiterhilft gibt es noch die Möglichkeit die
    Selbstreflektion mit ins Spiel zu bringen, zb mit der Frage:
    4.“Trennst Du deinen Müll?“
    Das beantworten die meisten mit „Ja“.
    Dann fahre ich fort mit „Dann stell Dir ernsthaft mal vor jemand würde
    ankommen und Dir vorwerfen Du trennst deinen Müll nur damit er sich
    schlecht fühlen soll und schlechter da steht. Genau so stehst Du da
    wenn Du jemanden für seinen veganen Lebensstil kritisierst.“

    Also wie gesagt, eher unkonventionelle Methoden, aber vielleicht kann
    das ja mal jemand gebrauchen.
    Es geht mir auch ausdrücklich nicht darum jemanden vom Veganismus
    zu überzeugen sondern jede/n der so leben will zu bestärken.

    Gefällt 3 Personen

  2. Hi Karmen,
    genau wie der Artikel der Nau.ch die Thematik beschrieben hat, nehme ich es auch wahr. Ich finde es zum Teil echt schwierig, wenn Menschen diese offensichtliche Dissonanz nicht wahrnehmen und z.B. große Unterschiede zwischen Haus- und Nutztieren machen. Oft kommt auch eine Abwehrhaltung a la „ich brate mir jetzt erstmal n Steak“, was mich jedes Mal total nervt.
    Zugleich bemerke ich die kognitive Dissonanz auch bei mir selbst, wende Verdrängungstechniken an und bin nicht immer so konsequent, wie ich das gerne wäre…
    Liebe Grüße, Helen

    Gefällt 1 Person

  3. Ich fürchte, jede:r Veganer:in kennt diese Situationen, dieses Sich-rechtfertigen-müssen, weil … ja weil einfach so, oder weil man eben voll ausargumentieren können muss, wenn man von der lokalen Mehrheit abweicht. Interessant ist auch, wie sich, z.B. bei Kollegen, die Intensität dieser „Anfeindungen“ im Laufe der Zeit verändert:

    Ich lebe jetzt seit November 2019 vegan und habe einerseits Kollegen, die ihrer Fleischwitze immer noch nicht müde sind, aber andererseits auch jene, die wegen meines positiven Lebenswandels (gesünder, schlanker, fröhlicher, motivierender, …) neugierig wurden und sich mittlerweile sogar schon Tipps holen oder stolz in einen extra eingerichteten Gesund Essen-Arbeitschat posten, wenn sie was richtig Gutes futtern 🙂

    Vielleicht geht es mit Vorleben, sanfter Aufklärung und gelegentlichen Kostproben von den verschiedensten Gerichten (süß, deftig, Bekanntes in veganer Variation, exotisch, …) am besten, die Menschen im direkten Bekanntenkreis davon zu überzeugen, dass an Veganismus zumindest nichts Schlechtes ist. Umstimmen will man ja in der Regel eh niemanden, nur diese Sticheleien dürfen gern aufhören! Und wenn alle Stricke reißen, kann man den Fleischfresserkollegen immer noch beim Mittagstisch mit den Worten „Oh, was gibt’s heute wieder Kadaver?“ auf die Nerven gehen 😀

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