Häusliche Gewalt

Der Regierende Bürgermeister von Berlin hat uns allen ein Briefchen geschrieben.

Auf der Rückseite steht drin, was man tun kann, wenn man akut von häuslicher Gewalt betroffen ist.
Ich finde es außerordentlich wichtig, dass dieses flächendeckende Tabu-Thema endlich auf den Tisch kommt.
Dass es dazu aber Covid-19 braucht, und gleichzeitig an den gewaltfördernden gesellschaftlichen Deviationen im Grundsatz NICHTS verändert wird, das ist eine Bankrott-Erklärung.

7 Antworten auf “Häusliche Gewalt”

  1. Vielleicht hätte sich der Briefeschreiber vorher bei Profis erkundigen sollen, etwa Rußland (erst relevant, wenn Verletzungen sichtbar sind – drunter ists schließlich normal) oder Ägypten (Schminktipps zum gekonnten verdecken, soll ja schließlich keiner sehen)?

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    1. Danke für Deinen Kommentar.

      Ich glaube, mit Verlaub, Zynisms bringts nicht. Nicht hier in dieser Diskussion und auch sonst nicht.
      Zynismus ist auch nur eine weitere Form von Resignation und das Spiel geht weiter. Nicht, dass ich ihm nicht auch ab un an noch verfalle, aber ich will das nicht mehr.
      Hier habe ich zu Zynismus geschrieben:

      https://ichkreierealsobinich.com/2019/10/14/toxische-aeusserungen

      und hier:

      https://ichkreierealsobinich.com/2019/06/26/luegen-2/

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  2. In der Kürze liegt offenbar nicht nur die Würze. Schön, dann halt etwas ausführlicher!
    Weltweit ist es üblich, und die Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel, häusliche Gewalt, was in der Regel auf die Misshandlung des jeweils Schwächeren hinausläuft, also wiederum in den allermeisten Fällen der Frau und der Kinder (beispielsweise: Mann schlägt Frau, weil sie nicht genug gearbeitet hat, während er beim Fischen mit seinen Kumpels war – was gesellschaftlich überaus wichtig ist, wer nicht teilnimmt ist Außenseiter – sie schlägt das älteste Kind, weil sie von der lärmenden, fordernden Bagage vom Arbeiten abgehalten wird, das gibt die Schläge weiter…) ebenso wie Vergewaltigung in der Ehe großzügig zu übersehen beziehungsweise mit bassem Unverständnis für derlei überzärtelte Extravaganzen derlei traditionelle Selbstverständlichkeiten zumindest nicht als sowohl lächerlichen als auch schwerlich zu beweisenden Straftatbestand zu betrachten.
    Das ist leider kein Zynismus, das ist einfach die Realität auf diesem Planeten. In den Regionen, die zu den Ausnahmen gehören (wann wurden noch mal die entsprechenden Gesetze in Deutschland gemacht, wer von den gerade lebenden und lärmenden Politikern sprach dafür, wer dagegen?) geht man all zu leicht davon aus, dass es so sein muss, diese Ausnahmeregelung der Normalzustand sein müsste. Leider ist aber das andere die Normalität – heute noch und auch durch die Zeiten. Das heißt nicht, dass jeder Mann seine Frau schlägt, weder im dunkelsten Mittelalter noch in fernsten Indien. Aber er kann. Und meistens darf er auch.
    Der Pater familias beherrschte die Familie fast unumschränkt. Und wir führen unsere Zivilisation und unsere Gesetze nur zu gern auf das gute alte Rom zurück. Unter bestimmten gesellschaftlichen Kriterien hatte er die Pflicht, seine Sklaven, Kinder, Frau zu züchtigen oder gar zu töten. Wer von den alten Patriarchen liest, wer das alte Testament 1:1 liest wird nicht auf die Idee kommen, dass die Bibel ja eigentlich und bei rechter Auslegung irgendwie frauenfreundlich sei, wie moderne Theologen immer wieder sich windend meinen. Nein, woher denn? Und du sollst nicht begehren heißt eindeutig: du sollst nicht den Besitz deines Nächsten begehren, also z.B. seine Frauen. Denn das schädigt ihn fast so sehr, wie wenn er seines Esels verlustig geht, und kränkend ist so ein hinterlistiger Diebstahl allemal. Fragt Menelaos!
    Da kommen wir her. Und wir müssen uns dessen bewusst sein, es uns immer wieder bewusst machen, wenn wir sehen wollen, wo wir stehen und wie wackelig und unsicher dieser Stand ist.
    in der Krise offenbaren sich alte Verhaltensmuster, und sei die Krise noch so überschaubar. Starke Männer oder solche, die es gerne wären, reißen ihr Befehlsorgan weit und ständig auf. Die Mehrzahl der Menschen, der Frauen ebenso wie schwache Männer und womöglich auch die besseren Männer werkeln im Hintergrund – so war es, so ist es wieder, zumindest ganz überwiegend. Was aber geschieht hinter verschlossener Türe? In diesen unsäglichen Mietskasernen, in prekären Verhältnissen, knapp an Klopapier, jedoch Fernseher, Biervorrat gesichert, nicht aber der Job, und dann hängen auch noch die ganzen quengeligen Plagen hier rum?
    Zum Glück ist das hier ja nicht so. Nein, denn ich wohne ländlich – sittlich. Das Ganze ufert über Dörfer und zersiedelnde Einfamilienreihungen in immer weiter sich verteilende Einzelanwesen aus, Gehöfte. Da passiert so was nicht.
    Wie? Ach so, nun gut, präziser ausgedrückt: was passiert, geht niemand was an. Also ist es realiter auch nicht passiert. Alles klar? Neugierige Nasen an der Fensterscheibe brauchen wir jetzt wirklich nicht geschweige denn einen alles noch schlimmer machenden politischen oder auch einen pietistisch – religiösen Blockwart.
    Ich war zu lange beruflich damit beschäftigt, um nicht zu wissen, wie die realen Verhältnisse auf diesen einzeln gelegenen Gehöften sind. Und dass die Frau, egal, wie oft oder schwer sie Prügel bezog, den Hof nicht einfach verlassen kann – es geht ja eben um diesen! Den es seit langem, wohl seit Jahrhunderten gibt, der Bestand haben muss, der immer das Überleben garantierte, nicht unbedingt des Einzelnen, der nie übermäßig viel zählt. Übrigens verprügeln die Männer ihre Frauen dort eher selten, weil sie einfach irgendwie und nur frustriert und angetrunken sind. Nein, so sind die nicht. Meist haben sie einen subjektiv guten Grund. Etwa, und ich erzähl hier nichts frei Erfundenes, weil nach fester Überzeugung die Frau eine Hexe ist und man ihr das doch bei aller Hilflosigkeit auszutreiben suchen muss.
    Wie gesagt, die Frau kann eh nicht gehen. Sonst wäre ja der Erhalt des Hofes gefährdet! In der Einfamilienhaussiedlung sieht es schon besser aus. Da regelt man das zivilisiert. Sagen wir, sie bekam ein neues Auto und eine Urlaubsreise und er kümmerte sich danach auch wieder mehr um die Familie (vorher war er mit Fremdgehen beschäftigt und sie dachte doch in ihrer Naivität, sie könnte einfach das Gleiche…), also ein Erfolg auf der ganzen Linie. Sie wäre sonst ernsthaft zur Polizei gegangen. Sagte sie.
    Wie gesagt, im zivilisierten Teil Mitteleuropas ist alles anders.
    Da braucht man keinen Zynismus. Dem Kyniker, wie das ursprünglich mal hieß, genügt Weniger, oft schon, dass der Herrscher, der bessere Verhältnisse im Briefe einfordert, aus der Sonne, aus dem Lichte geht, so dass man die Wirklichkeit sieht.
    Ob man mit dieser Realität leben und einverstanden sein muss? Das Zweite eher weniger. Doch wäre es nötig, siehe oben, wenigstens das Erreichte vehement zu verteidigen: sie geht vielleicht nicht zur Polizei, zum Arzt und weiter ins Frauenhaus – aber sie kann! Und wird dort, in aller Regel, ernstgenommen!

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    1. Hallo Petra, vielen Dank für den ausführlicheren Kommentar. Danke!
      Ja, Du beschreibst die Gewalt gegen Frauen und Kinder.

      Die Frauenhäuser platzen aus allen Nähten und Femizide sind „Familiendramen“ – das stimmt alles.
      Solange wir an patriarchalen und machtorientierten Werte festhalten, wird das so bleiben.

      D. Trump ist vielfach der Vergewaltigung und Nötigung angeklagt, Brett Kavnaugh wurde während seines Wahlprozesses ins höchste US-Amerikanische Richteramt von mehreren Frauen der (versuchten) Vergewaltigung beschuldigt.
      Heutzutage scheint es der Karriere zu dienen, wenn man Frauenfeind und Gewalttäter ist.

      Aber was ist der Weg da raus???
      Eine Kultur des Seelenheils von Frauen, Männern, den Gendern dazwischen und Kindern muss erst noch entwickelt werden.
      In diesem bestehendn, patriarchalen System kann nicht die Lösung sein, so wie im NLP die Lösung eines Konfliktes oder Problems erst auf einer höheren Ebene gelöst werden kann.

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  3. Der Weg? Gesellschaftlich oder individuell? Jeder, der von Gewalt betroffen ist, kann bei uns recht erfolgreich dagegen vorgehen (falls er noch lebt, immerhin diese Einschränkung muß sein) und erfährt durchaus Hilfe, organisierte, staatliche und staatlich geduldete. Das heißt aber Einfordern! Und hier sehe ich eines der größten Probleme. Immer noch ist und wird das Opfer stigmatisiert (und dies, nicht zu vergessen, zu einem gut Teil durch sich selbst). Aber bitte, die Forderung an Betroffene besteht: geh zum Arzt, zur Polizei, geh in die nächste Frauenberatungsstelle (ja, für Frauen und, schon weniger gut aufgestellt, Kinder, ist viel vorbereitet. Für das Gewaltopfer Mann ist alles etwas nebulös, schließlich ist er der Täter, als Opfer kommt er ganz blöd daher!).
    Aber da sind wir wieder bei Punkt 1, dazu muß sich noch viel mehr gesellschaftlich verändern. Und zwar – wie geschrieben, wir leben in einer Art verkehrtem Vormerz, die Obermacker haben wieder Oberwasser und brüllen rund um die Welt. Und es muß in keiner Weise sinnvoll sein, nur laut, schon brandet der Jubel der Wahlkälber auf – in der gewollten, als richtig angesehenen Weise.
    Inzwischen wird bei uns diskutiert, ob man überhaupt noch ein Geschlecht benennen soll und darf. Mir egal. Aber versucht mal, nach dem Bierfest in Hintertupfingen auf eine Einheitstoilette zu gehen oder in einer ihren Traditonen verpflichteten Familie, in der die Frauen alle brav die Klappe halten, diverse Rechte einzufordern! Oder was der möglichen Beispiele mehr sind.
    Es gibt viel zu tun… Und ich denke, vor allem die jungen Frauen, aber natürlich auch m und d sind hier angesprochen.
    Was ich bei alledem allerdings immer etwas fatal finde, ist die Einforderung von Zivilcourage. Wie ging es denn am Ende Mutter Courage? Wer möchte sich schon gerne einer fröhlich gewaltbereit angesoffenen Gruppe als Zusatzopfer zur Verfügung stellen? Nein, Quatsch. Das ist nur wie Videokameras ein billiger ERsatz für einen Staat, der zwar gerne Obrigkeit spielt – was er belleibe nicht darf – aber kostenintensive Personalpräsenz einspart. Alle die kleinen Polizeiposten auf den Dörfern, ja, in den Städtchen aufgelöst. Kein Schaffner in Zug oder Bus. Aber Kameras! Und Zivilcourage! Als Ersatz. Nein, das geht wieder in die völlig falsche Richtung und sowas kann wehtun.

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    1. Ja, das ist die Ebene der Schadensbegrenzung.
      Die funktioniert nur, soweit das bestehende System sie zulässt – und ja zum System gehören wir all Menschen aller gender.

      Ich meine als „Weg“ eine neue Lebenskultur, die andere Werte und Prioritäten hat. Mehr gemeinsam statt gegeneinander, mehr „wir sind alle aus der gleichen Energie, und kommen alle aus einer Mutter und wir alle stammen von Mutter Erde.

      Diese Gedanken verunmöglichen Krieg, Patriarchat, Ausbeutung, Rassismus, Frauenhass, Speziesismus, Schlachthöfe und so weiter…

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  4. Das, freilich, ist ein Unendlichkeitsthema wie ja die Aufzählung schon zeigt. Vielleicht zunächst einmal mit dem Menschen, der vorhanden ist, der uns gegenüber steht und der wir auch selbst sind arbeiten und klarkommen (also, mir selbst fällt das oft genug schwer)? Das wird womöglich auch der Bürgermeister zu Berlin gedacht haben.
    So vieles vom Aufgezählten ist, da könnte man tagelang drüber schreiben (nur z.B. Rassismus und Krieg. Als Großonkel H. s. neandertalensis auf den guten alten Großvater H. s. cro magnon traf beispielsweise war so was allgemein in Gebrauch und u.U. sogar nützlich um wenigstens in die nächste Runde zu kommen) zutiefst , auch gerne sehr verborgen, in uns drin, atavistisch, und kommt im unpassendsten Moment hoch. Die es einfach zulassen und gar noch für gut halten tun sich echt leichter! Wie gesagt, dieser Wollknäuel ist noch lange nicht abgerollt, so dass man noch gar nicht sieht, welche und wie viele Fäden da zusammenkommen…
    Mutter Gaia hat Geduld und steckt schon sehr viel sehr lange weg, wenn auch nicht alles, wie wir gerade sehr gut staunend sehen können.

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