JK Rowling und der shitstorm

Habt Ihr das mitbekomen, dass JK Rowling einen gewaltigen Shitstorm wegen ihrer angeblichen Transphobie erlebt hat?
Theresa Bäuerlein hat versucht, auf Krautreporter den Shitstorm zu erklären, und sich auf die Seite der LGBTQ-Szene gestellt, in der Rowling als TERF beschimpft wird.
In meiner Wahrnehmung – zu Unrecht.


Ich kenne die ganzen Potter-Charakter nur oberflächlich, und ich bin nicht sicher, ob ich in Bäuerleins Artikel alles 100% richtig verstehe.
 
 Ich lese aber, dass Theresa Bäuerlein behauptet, dass „Thema „Trans“ eines der wichtigsten Projekte ihrer Generation, ihr Kampf für soziale Gerechtigkeit“ sei und sie meint damit die heutige Jugend.
 
1. Ich bin mir darüber nicht so sicher.
Mir erscheint das ziemlich aufgeblasen und medial orchestriert.
Immer noch betrifft dieses Thema einen ein bis niedrigen zweistelligen Prozentsatz der Jugendlichen, während binäre sexuelle Identität über 99% der Menschen aller Altersklassen betrifft.
 Von allen Sorten sexueller Ausrichtung gibt es am meisten Frauen. Wir sind in der Überzahl. Manche von uns menstruieren und manche nicht. Mega-Frauen, also schwangere Frauen menstruieren zum Beispiel auch nicht. Nicht die Menstruation macht uns zu Frauen.
Warum sollen also ausgerechnet wir biologischen Frauen nicht mehr Frauen genannt werden?
 
  2. Seit hunderttausenden von Jahren gibt es Männer und Frauen mit allen dazugehörigen Verwicklungen und Verstrickungen. Seit einigen wenigen Jahren oder Jahrzehnen das Phänomen einer größer werdenden Zahl von inter- und transsexuellen Menschen. Möglicherwese wächst dieses Phänomen, weil es Geschlechtsumwandlungs-OPs gibt.
Angesichts der Billionen von Menschen, Frauen und Männern, die als Frauen und Männer gelebt haben und gestorben sind, plädiere ich dafür, dass man die Wörter Mann und Frau nach wie vor benutzen dürfen soll, um Leute zu beschreiben, für die sie seit der Zeit der Höhlenmalerei und Entwicklung von Sprache  verwendet wurden und werden.

Seit der Frauenbewegung wurden die Wörter Frau und Mann weiter entwickelt, und das ist gut so.
 
Neue Phänomene bedürfen neuer Wortschöpfungen. So auch hier, mit dem neuen Phänomen der Trans- und Intersexualität.
 
  3. Ich will nicht „Mensch, der menstruiert“ genannt werden, wenn ich auch Frau, woman, Žena, famme, donna, gyneka genannt werden kann.

Frau bin ich, auch wenn ich nicht menstruiere. Also, auch in der Schwangerschaft, Stillzeit, nach der Menopause, oder falls ein medizinisches oder psychologisches Ereignis eintritt, das die Mens beendet. 
  
  4. Biologische Männer, die gerne möchten, dass wir sie als Frauen sehen, können stattdessen ja auch so genannt werden: „Menschen, die für Frauen gehalten werden wollen, weil sie glauben, sich trotz ihrer Penisse, ihrer y-Chromosome, ihrer endokrinen Spiegel und ihren männlichen Sozialisationen mehr als Frauen zu fühlen, obwohl sie nicht wissen können, wie Frauen sich fühlen.“ 
 
Für diese sehr, sehr wenigen Leute, die für Frauen gehalten werden möchten, weil sie sich so fühlen, kann vorerst beispielsweise das Wort Transfrau oder ein anderes Wort verwendet werden, das die spezifische Gender- und Geschlechts-Situation beschreibt. 
Gerne auch Frau mit Trans-Vergangenheit.
Oder ehemaliger Bio-Mann. 

Aber halt nicht Frau!
Weil Frauen andere Geschichten, andere Themen, andere Probleme haben.
Trans / Queer / Divers-Themen werden für durchschnittliche Bio-Frauen erst ein Thema, falls sie mal darüber etwas lesen. 

 Manchmal fühle ich mich wie vier Jahre alt, und manchmal wie 95. 
 Ich würde trotzdem meine Umwelt nicht zwingen, mich als Kind oder als Greisin anzusprechen.
Weder zwingen, noch als Selbstverständlichkeit und politische Korrektheit erwarten. Ich bin damit einverstanden, dass die Umwelt mich grundsätzlich als 46-jährige Frau wahrnimmt, die sich um ihr Business kümmert, auch wenn alle Knochen wehtun oder wenn mir mit meinem Freund zu spielen besser passen würde.

Ich finde es übergriffig, wenn wir cis-Frauen unseren Geschlechts-Begriff „Frau“ Trans-Personen überlassen sollen, und wir dann „Personen, die menstruieren“ genannt werden sollen. Meistens menstruieren wir übrigens nicht, aber Frauen sind wir immer. 

In meinen 46 Lebensjahren habe ich genau zwei Transmenschen kennengelernt. Eine Transfrau und ein Transmann. Das sind nicht viele.
Ich wohne in Berlin Schöneberg, im Epizentrum des deutschen LGBTQ.
Ich versorge seit 2002 Tausende von Patienten mitten in Berlin Mitte. 

Ich habe Tausende von Frauen und Männern persönlich und mit Namen kennengelernt. 
Die sollen Ihr Recht auf ihren Gender-Begriff behalten, auch wenn dadurch großzügig geschätzte 0.05% der Menschheit einen Stich ins Herz fühlen. 
Viele Menschen fühlen einen Stich ins Herz, wenn von  Liebe, Familie, Größe, Wohlstand, Gesundheit, Bildung, Ernährung, Klimawandel usw. gesprochen wird. 

Weil manche Menschen blind sind, hören wir nicht auf, obsessiv von Farben, Filmen und Licht zu sprechen. 

Weil einige Menschen taub sind, hören wir nicht auf, Musik zu geniessen und und Geräuschkulissen zu beschreiben. 

Weil manche Menschen Trans sind, sollten wir nicht aufhören, von binärer oder polarer Geschlechtszugehörigkeit zu sprechen. Das wäre Co-Abhängigkeit und gaslighting. 

  5. Einer der Gründe, warum ich Transfrauen nicht als Frauen bezeichnen möchte, ist, dass Trans-Frauen eine Jugend als Jungen, und nicht als Mädchen erlebt haben. Damit wurden sie in ihrer Kindheit von männlich gefärbten Umständen und auch von ihren Privilegien geprägt. Die ersten sieben Jahre sind ABSOLUT prägend für uns Menschen. 
 Neurophysiologisch sind wir in den ersten sechs-sieben Jahren nonstop in einem Zustand der Hypnose. 
Transfrauen kennen die spezifischen Probleme von Mädchen nur aus der Beobachtung, falls überhaupt. Diese jedoch gehören zum Frausein dazu. Mehr noch als das Menstruieren. Sogar Transmänner haben damit mehr Erfahrungen als Transfrauen. 
Vermutlich lässt die Jugend als privilegiertes Geschlecht die Trans-Frauen-Gemüter auch so erhitzen. Menschen, die Privilegien gewohnt sind, legen diese nicht ab, wenn sie sich in einer Gruppe bewegen, in der sie nicht automatisch privilegiert sind. 
 
Dagegen gehören für klassisch-biologische Frauen die Kämpfe und Probleme von Transmenschen nicht dazu. Da ist und bleibt frau sich doch sehr unähnlich. 

Frauen und Männer sind sich in dieser Hinsicht ähnlicher als cis- und trans-Frauen oder cis- und trans-Männer. Genauso, wie trans-Frauen und trans-Männer ähnliche Erfahrungen machen, die cis-Leute nur vom Hörensagen kennen, falls überhaupt. 

Auch die Geschichte der „Frau, die eine Trans-Verangenheit hat“ ändert daran nichts. 
Sie hat in ihrer Jugend mit ihrem Penis und ihrer männlichen Sozialisation gehadert. 

Biologische Frauen und Mädchen hadern mit völlig anderen Dingen. Mit ihrer Menstruation zum Beispiel. Damit, dass Jungs irgendwie mit allem davonkommen. Damit, dass sie viele Sachen nicht dürfen, die Jungs erlaubt sind usw. 
  
  6. Ich möchte nicht im sportlichen Wettkampf mit Transfrauen stehen. 
Hätte ich eine Tochter, dann wollte ich nicht, dass sie mit einem Trans-Mädchen konkurrieren muss, weder im Sport noch in der Umkleidekabine! Ich wünsche keinem biologischen Mädchen und keiner cis-Frau sportlich mit einem Trans-Mädchen oder Transfrau  konkurrieren zu müssen, genauso, wie ich keinem Trans-Mädchen wünsche, sportlich mit cis-Jungen konkurrieren zu müssen. 
In dieser Situation hätte nur eine Sportlerin wie Steffi Graf die Möglichkeit zu gewinnen, falls überhaupt. 
  
  7. Ich möchte weder im Gefängnis, im Frauenhaus noch im Krankenhaus die Zelle oder das Zimmer mit einer Transfrau teilen müssen. In besonders vulnerablen Umständen möchte ich mein Zimmer mit einer klassischen Frau teilen. Das ist weder Transphob, noch Androphob.
Das hat mit #metoo und meiner eigenen Geschichte mit Männern zu tun. 

Transfrauen werden leider auch Gewaltopfer, und zwar relativ häufig.
Ich weiß nicht, wie das klug und empathisch gelöst werden kann und soll. Ich weiß aber, dass die Leute in Frauenhäusern keine Leute mit Penissen um sich haben wollen.
  
  8. Ich möchte biologische Frauen, die seit hunderttausenden von Jahren die Mehrheit aller Frauen und Geschlechter darstellen, einfach Frauen nennen können, ohne als transphob zu gelten. 
Hätte ich diesen Satz vor 30 Jahren gesagt, dann hätte man Verfolgungswahn, Psychosen oder sonstige psychische Störungen erwogen. Nur weil man neuerdings Transleute umoperieren kann, heißt es nicht, dass die genetisch polaren Geschlechter aufhören zu existieren. Und ja, auch genetisch gibt es mehrere Geschlechter. Sehr selten. Dunkelziffer unbekannt.
  
  9. Was Geschlechtsumwandlungen angeht, ist nicht abschließend geklärt, ab welchem Alter das wirklich eine gute Idee ist.
Viele umoperierte Transleute bereuen später ihre Entscheidung. 

Es geht wahrscheinlich nicht nur um die Möglichkeit, korrelierende Geschlechtsorgane zu haben, sondern um Selbstannahme, das Drunter, Drüber und überhaupt.
 Ich bin unsicher, aber ich könnte mir vorstellen, dass trans-Leute geliebt werden möchten, egal was für Genitalien sie haben. Ich glaube nicht, dass irgendjemand Bock auf die Operationen hat. Aber da kenne ich mich schlecht aus und lasse mich gerne belehren. 
  
  10. Hier möchte ich JK Rowlings eigenes Argument zitieren. 
 „Wenn Geschlecht nicht echt ist, wird die Realität von Frauen weltweit ausgelöscht. Ich kenne und liebe Transmenschen, aber Geschlecht auszulöschen, nimmt vielen die Möglichkeit, auf eine sinnvolle Weise über ihr Leben zu reden. Es ist kein Ausdruck von Hass, die Wahrheit zu sagen.“

Dass dieser Tweet transphob sein soll, will mir nicht in den Kopf. Theresa Bäuerlein verwendet ihn aber so, als wäre er Beweis für Rowlings Transphobie. Irgendwas verstehe ich daran nicht, und ich weiß nicht, was. Auch hier lasse ich mich gerne belehren.
  
 11. Der neue Roman von Rowling basiert auf einer wahren Geschichte, soweit ich das verstanden habe. Wahrscheinlich gibt es auf der Welt Mörder, die transsexuell sind und in Frauenkleidern rumlaufen.

Der einzige Exhibitionist, dessen Penis ich mir am Wegesrand meines Lebens anschauen durfte und sollte, hatte Frauenkleider an, eine feminine Langhaar-Perücke auf und trug queeres Make-Up. Das soll jetzt nicht heißen, dass alle Exhibitionisten Frauenkleider tragen, aber in meinem Leben ist das der einzige Erfahrungswert. Wie er sich fühlte, ob Frau, ob Mann, ob Nonbinär, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass ich seine Performance ziemlich grenzüberschreitend und übergriffig fand. 
 
 12. Für mich ist das Schimpfwort TERF ein weiterer übler patriarchaler Schachzug, Frauen und Feminismus aus der Welt zu schaffen, und Leute wie J.K. Rowling mundtot zu machen. Ich hoffe, ihre Leser*innen kaufen und lesen weiterhin ihre Bücher. Ich habe ihre Bücher bisher nicht gelesen und werde wahrscheinlich auch dieses nicht lesen. 
 
 13. Dass die Welt sich an Trans-Sexualität so aufreibt! Das ist doch unfassbar. 
 Von allen Problemen dieser Welt wird dieses zelebriert und als Waffe gegen Frauen benutzt. Diese angebliche Trans-Phobie macht so viele Menschen mundtot. Ist noch nicht ganz so schlimm, wie die Nazi-Keule, aber auch nicht weit weg davon. 
 
 14. Ich bin eine Frau und ich habe viele männliche Charaktereigenschaften. Wir Frauen sind nicht nur cis und gleichzeitig nicht trans.
Manchmal menstruiere ich, auch wenn ich nicht will, und ich lieber glauben möchte, dass ich nicht menstruiere. Wenn ich menstruiere und lieber glauben möchte, dass ich nicht menstruiere, dann zwinge ich niemanden, entgegen allen biologischen und sensorischen Tatsachen, das so festzustellen. Ich glaube, so ging und geht es Billionen von Frauen. Na und?
Und nochmal – „Cis“ ist glaube ich quatsch.
 
 15. Wo stehe ich da, die die Polarität des Männlichen und Weiblichen feiert und heiligt?
 In dieser verrückten Welt, in der wir leben, ist Polarität auf dem absteigenden Ast. Ich halte dagegen und feiere Frauen und Männer, Männer und Frauen. 
 Ich feiere auch Trans-Frauen und Trans-Männer, die die notwendigen Schritte unternehmen, um ihr Geschlecht in Einklang zu ihren Gefühlen zu bringen. 
 
 16. Ich plädiere für Polariät und Diversität. 
 Das sind keine Gegensätze, sondern Ergänzungen. 
 Wer das zu Gegensätzen macht, darf sich fragen, warum er/sie/es/divers hier keine Gleichzeitigkeit erlaubt. 

17. Wer weiß, wahrscheinlich übersehe ich etwas.
Ich hoffe, dass mein Eindruck sich ändert.
Wer irgendwas weiß, um hier mehr Licht reinzubringen, bitte her damit.

  
   

12 Antworten auf “JK Rowling und der shitstorm”

  1. Die Cancel-Culture, die im beschriebenen Beispiel J.K. Rowling trifft und anfeindet, scheint mir darauf abzuzielen, einerseits institutionalisierte Opferrollen zu schaffen (Opfer zu sein verschafft Macht), andererseits zerstören zu wollen ohne etwas neues zu gestalten.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

    Gefällt 2 Personen

      1. Meines Wissens geht es um den Satz „Männer können keine Frauen werden“ von Maya Forstater, dem sich J.K. Rowling angeschlossen hat, eine bloße Meinung also, die sie teilt.

        Was an dem Satz „transphob“ sein soll, wo in dem Satz also eine Phobie — eine unbegründete Angst — zum Ausdruck kommt, erschließt sich mir nicht.

        Es scheint den Akteuren der Cancel Culture also gar nicht um Argumente zu gehen, sondern darum, jemanden mundtot zu machen.
        Ich halte das für ein totalitäres Agieren.

        Von dem Kolumnisten Leonid Luks stammt der Satz:
        «Zum Wesen des totalitären Denkens gehört die Diskursverweigerung mit Andersdenkenden.»

        Genau dies beobachte ich bei vielen Leuten, die sich für die Cancel Culture engagieren. Erstaunlicherweise halten sich so manche dieser Akteure wohl für politisch eher „links“, sie agieren und argumentieren jedoch wie Rechtsreaktionäre, wie Rechtsextremisten — wie „Andersfaschisten“.

        Eckhardt Kiwitt, Freising

        Gefällt 2 Personen

  2. Ich hab zum Beispiel ´ne Phobie gegen Brettspiele. Also Halma, Mühle etc. Ich weiß, dass es Unsinn ist, trotzdem mag ich keine Brettspiele. Und das darf ich doch-oder? Und wenn ich nun bestimmte Menschengruppen nicht möchte, dürfte ich das nicht auch? Bin ich zur Liebe verpflichtet? Ich tu ja keinem was. Oder?

    Gefällt 1 Person

  3. Noch etwas zum Thema „Phobie“:
    Möglicherweise haben einige Menschen, z.B. einige Akteure der Cancel Culture, eine „Andere-als-die-eigene-Meinung-Phobie“ 😉
    Zumindest entsteht bei mir dieser Eindruck.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

    Gefällt 1 Person

  4. Hallo zusammen,
    ich bin wirklich erleichtert, dass ich nicht auch einen shitstorm erfahren habe.

    Zum Wort „transphob“:
    Ich glaube die genauere Übersetzung wäre Ausgrenzung von Trans-Menschen oder Hass auf Transmenschen.
    Ausgrenzung und Hass sind absolut krasse Gemütsregungen, die eine Gesellschaft extrem negativ beeinflussen können…
    Oft liegen Ausgrenzung und Hass Angstgefühle zugrunde.

    Daher müssen wir schon gucken, wo wir unsere Ängste zulassen, und welche wir überwinden.

    Und nochmal danke fürs Mitdenken.

    Im Gespräch mit einer Bekannten sagte sie, da könne alle bisschen toleranter sein… Ich glaube, sie hat Recht!

    Gefällt 1 Person

    1. Den Begriff „Phobie“ im Zusammenhang mit Menschen zu verwenden, die sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen haben („Trans“ — aus dem Lateinischen für ‚jenseits‘ oder ‚hinüber‘, daher das Wort „transphob“), halte ich für unsinnig oder für sinnlos.

      Zur Phobie (Angststörung) erklärt die Wikipedia ( https://de.wikipedia.org/wiki/Angstst%C3%B6rung ):

      «Angststörung ist ein Sammelbegriff für mit Angst verbundene psychische Störungen, deren gemeinsames Merkmal exzessive, übertriebene Angstreaktionen beim Fehlen einer wirklichen äußeren Bedrohung sind.»

      Welche Bedrohungen von Menschen ausgehen könnten, die sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen haben, müsste nun von denjenigen erläutert werden, die den Begriff „transphob“ (in diffamatorischer Absicht wie im Fall J.K.Rowling) verwenden.

      Hass ist wohl der zutreffendere Begriff — denn Hass beeinträchtigt die Wahrnehmung und das Urteilsvermögen.

      Ausgrenzung (Diskriminierung) hingegen kann sowohl negativ als auch positiv gestimmt sein — je nachdem, ob die Ausgrenzung mit Herabsetzung, mit Benachteiligung oder gar mit Unterdrückung einher geht, oder ob sie mit Erhöhung, vielleicht gar mit Überhöhung, oder mit Bevorzugung verbunden ist.

      Eckhardt Kiwitt, Freising

      Gefällt 1 Person

    2. Eine Anmerkung noch zu „bisschen toleranter sein“:

      Der Begriff „Toleranz“ bedeutet „Duldung“ — und er wird nach meinem Verstehen seit langer Zeit gleichgesetzt oder verwechselt mit dem Begriff „Akzeptanz“ (Annahme).

      Man duldet (toleriert, erträgt) jedoch, was man eigentlich nicht mag.
      Verdeutlichen lässt sich dies am „geduldeten Asylbewerber“, den man, soweit ich dies beobachte, gern dorthin zurückschicken würde, wo er hergekommen ist. Im Begriff des „geduldeten Asylbewerbers“ kommt also der Zynismus des Begriffs „Toleranz“ gut zum Ausdruck.

      Dazu möchte ich betonen, dass ich es für einen Akt der Humanität und für eine Selbstverständlichkeit halte, Menschen, die z.B. vor Krieg und Zerstörung geflohen sind, oder die politisch verfolgt werden, Asyl zu gewähren — statt sie womöglich in ein Kriegsgebiet zurückzuschicken..

      Henryk M. Broder schreibt in seinem Buch „Kritik der reinen Toleranz“ (auf S. 15):
      «Tolerieren bedeutet wörtlich dulden, gewähren lassen. Wer die Güte hat, jemanden zu dulden, hat auch die Macht, ihn zu vernichten, wenn er es sich anders überlegt hat.»

      Und Goethe meinte:
      «Dulden heißt beleidigen.»

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