Sucht unter Ärzten

Heute morgen möchte ich drei Artikel verlinken, wie Vertuschung, Verleugnung und Stigmatisierung in unserem „gesellschaftlichen Suchtsystem“ dazu führen, dass Ärzte

  1. im Studium sehr wenig Schulung in Sachen Sucht erhalten
  2. selbst extrem suchtgefährdet sind
  3. dadurch die Diagnose und Therapie süchtiger Hilfesuchender erschweren und
  4. mit ihren co-abhängigen Therapiekonzepten die Behandlung der Sucht verschleppen helfen.

So doktert man traditionell an Symptomen wie beispielsweise an Bluthochdruck, Schlafproblemen, Depressionen usw. herum, ohne nach Trink- und Drogenkonsum zu fragen. Und selbst wenn Ärzte fragen, ob und wie Süchte ausgelebt werden, diagnostizieren sie oft nicht präzise und schnell genug die Sucht als  Haupterkrankung.

Wer zum „gesellschaftlichen Suchtsystem“ mehr lesen möchte, findet klare Einsichten in Anne Wilson Schaefs „Im Zeitalter der Sucht„.

Und hier wie versprochen die drei Artikel. (Um bei Coliquio mitlesen zu dürfen, muss man allerdings nachweisen, Mediziner zu sein.)

https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/versorgungsforschung/article/935825/suchtpatienten-wir-muessen-hausaerzte-partner-gewinnen.html

https://www.aerzteblatt.de/archiv/47553/Suchterkrankungen-bei-Aerzten-Bei-Therapie-gute-Aussicht-auf-Heilung

https://www.coliquio.de/wissen/Praxis-Wissen-kompakt-100/interview-kolitzus-coabhaengigkeit-100

4 Antworten auf “Sucht unter Ärzten”

  1. Die Motivation vieler Ärzte und Heilberufler ist: etwas gut zu machen !
    So generiert sich daraus ebenfalls das Selbstbild: „selbst“ gut zu sein!
    Im Extrem entsteht dadurch das bekannte „Götter in Weiß“ – Syndrom.

    Hieraus generieren sich weitere „Selbst“anforderungen und Merkmale:
    – zum „gut sein“ brauche ich Anerkennung
    – wer gut ist, erhält auch Anerkennung
    – Anerkennung wird auch gesellschaftlich/finanziell honoriert
    – zum „gut sein“ benötige ich Anpassung (Maßstabsentsprechung)
    – gleichbedeutend mit: wer gut ist, geht eher nicht in den Widerstand

    Die Ausbildung zum Arzt basiert größtenteils auf diesen Prämissen.
    Numerus Clausus: intellektuelle Anpassung und „gut sein“.
    Wer gute „Noten“ hat, wird vielleicht auch deshalb „Arzt“.
    Das Medizinstudium selbst ist akademisch vor allem im Sinne von „Auswendiglernen“.
    Ein lebendiger Organismusbegriff wird nicht geschult.
    Der Mensch ist eine Bio-Maschine – das ist das vorherrschende und vermittelte Bild an dem sich auch die „Behandlungsmethoden“ orientieren.

    Anpassung führt zu Embedding
    So konnte es dazu kommen, daß aus Heilwesen Gesundheitswirtschaft wurde und die Ärzte Rekruten der Pharmalobby, gesteuert durch von denselben eingebrachte Gesetze und Regelungen (Krankenkassensystem usw.) sind.

    Die Kombination von „Selbstbild“, Demand / Anforderungsprofil durch Anpassung und Unterwerfung – gegenüber dem eigentlichen Wunsch zu helfen bzw. etwas gut zu machen – führt schließlich nicht nur zum Ausbrennen, sondern bis hin zu signifikant hohen Selbstmordraten in dieser „Branche“
    https://www.praktischarzt.de/blog/selbstmord-aerzte/

    Jede Sucht ist eine Abhängigkeit(system), die zu Dysfunktionen und damit zu weiteren Abhängigkeiten führt.

    Vielleicht steht bei vielen Heilberufen die „Sucht“ nach Bestätigung durch andere – also die zu große Abhängigkeit des Selbstbildes von anderen – als Grundproblem dar ???

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    1. Das alles sind Facetten, die wahr sind. Universitätsmediziner, also die Dozenten, Assistenten, Oberärzte und Professoren sind nochmal ein Menschenschlag für sich. Dort wurde eine „Sauf- und Feierkultur“ gepflegt. Ich hörte Zahnärzte, Oralchirurgen und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen darüber prahlen, was am Wochenende wieder gesoffen und konsumiert wurde. „Wer feiern kann, der kann auch arbeiten.“ Das galt als cool…… Auch das wurde gesellschaftlich gefördert…

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  2. Vielen Dank. Deine Einsichten zu dem Thema Sucht finde ich immer sehr interessant. Und ich finde es im Allgemeinen wichtig, dass es zu der weit verbreiteten Normalisierung der regelmäßigen Berauschung Stimmen gibt, die auf die Kehrseite des Themas hinweisen.

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