Co-Abhängigkeit 2

Heute kommt wieder eine Perle aus Anne Wilson Schaefs Buch

Co-Abhängigkeit – Die Sucht hinter der Sucht.

Sie schreibt:

Sharon Wegscheider-Cruse ist Sozialarbeiterin. Sie war bahnbrechend an der Entwicklung eines Konzeptes der Co-Abhängigkeit und einer entsprechenden Therapie beteiligt. In einem ihrer Workshops definierte sie den Co-Abhängigen als „eine Person, die 1. einen Alkoholiker liebt oder mit einem solchen verheiratet ist, 2. deren Eltern oder Großeltern Alkoholiker sind oder die 3. in einer emotional repressiven Familie aufgewachsen ist.“

Nach dieser Definition sind ungefähr 96% der Bevölkerung Co-Abhängige.“… Sie stellt außerdem fest, dass viele Alkoholiker schon co-abhängig waren, ehe sie zur Flasche griffen.

Earnie Larsen ist Suchtberater und … beschreibt … den Co-Abhängingen als „jemanden, der durch einen Suchtkranken geschädigt ist“. Er weitet seine Definition aus auf alle Personen, die über eine längere Zeit hinweg in enger Gemeinschaft mit einem Neurotiker leben.“ … Interessanterweise hat er zu bedenken gegeben, dass es in den Vereinigten Staaten zwischen zehn und fünfzehn Millionen Alkoholiker gibt. Und jeder von ihnen beeinflußt, bzw. schädigt wiederum zwanzig bis dreißig Personen. Eine Hochrechnung ergibt, dass die Zahl der Co-Abhängigen die Zahl der Gesamt-Bevölkerung übersteigt. “ 

Das Bundesministerium für Gesundheit hat in 2018 ein Papier herausgegeben, das folgende Informationen bereitstellt:

Nach repräsentativen Studien (insbesondere Epidemiologischer Suchtsurvey 2015) rauchen 14,7 Millionen Menschen, 1,8 Millionen Menschen sind alkoholabhängig und Schätzungen legen nahe, dass 2,3 Millionen Menschen von Medikamenten abhängig sind. Rund 600.000 Menschen weisen einen problematischen Konsum von Cannabis und anderen illegalen Drogen auf und gut 500.000 Menschen zeigen ein problematisches oder sogar pathologisches Glücksspielverhalten. Auch eine exzessive Internetnutzung kann zu abhängigem Verhalten führen: Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland etwa 560.000 Menschen onlineabhängig sind.

Was bedeutet das?

Es bedeutet vor allen Dingen, dass dieses Wissen es offensichtlich nicht geschafft hat, zu Allgemeinwissen zu werden. Weder in der normalen Gesellschaft, noch unter Ärzten, Psychologen, oder Zahnärzten.

In meinem Zahnmedizin-Studium kam Alkohol durchaus als Thema vor, allerdings ausschließlich, weil er ein Kanzerogen ist, und im Mund eine Hauptursache bei der Entstehung von Krebs ist. Es gab keine Einblicke in die Erkenntnisse aus der Suchtforschung.

In der Zeit, als ich mit einem aktiven Alkoholiker zusammen war, musste ich dieses Wissen mühsam in Eigenregie zusammentragen.
Ich erlebte bei ausnahmslos allen Ärzten und Psychotherapeuten, an die wir, mein damaliger Partner und ich, uns hilfesuchend wandten – Unwissen, Verniedlichung, dumme Witze oder Kleinreden.

Hier sind einige der schönsten Blüten:

Die behandelnde Gastroenterologin, die meinem Ex-Partner schwere Medikamente wegen einer Auto-Immun-Erkrankung verabreichte, antwortete auf Nachfrage, wie sich das mit dem Alkoholkonsum vertrage: „Na, sie trinken ja keine drei Flaschen Wein täglich.“ als ob sie genau wusste, wieviel er trank, und als ob die Wechselwirkung erst ab der vierten Flasche einträte.

Der Arzt auf der Entgiftungsstation sagte: „sie nehmen hier jemandem, der es wirklich braucht, den Platz weg.“

Die Psychologin, die ihn wegen seiner Depressionen behandelte, fragte in eineinhalb Jahren Gesprächstherapie nicht ein einziges Mal, ob und wieviel er trinkt.

Die Psychologin, die mich zu der Zeit betreute, erkannte die Sucht meines damaligen Partners und meine Co-Abhängigkeit nicht als das Hauptproblem, obwohl ich schon in der ersten Sitzung sagte, dass der Mann trinkt.

Wir sind gesellschaftlich durchsetzt von Suchtprozessen, Kaufsucht, Konsumsucht, Fernsehen, Sorgensucht, Sexsucht, Liebessucht, Fresssucht, Rauchen, Trinken, Drogen, Internet. Die Gesellschaft belohnt süchtiges Verhalten, mitsamt Lug, Trug, Vertuschung und Verleugnung.

Und keinen juckts… Heilandzack!

 

 

 

 

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