Gewalt und sonstige „Sünden“

Philosophie, Juristerei und auch, ach, Theologie konnten mir nicht den Sinn und Zweck von Gewalt beibringen. Nicht dass ich ernsthaft gesucht hätte, doch als ich anfing zu suchen, geriet ich ruckizucki in die spirituelle Abteilung.

Hier stehe ich nun:
Gewalt ist eine Ausprägung des Lebens.
Im Moment unserer Zeugung werden wir Gewalttäter.

Alle Nährstoffe holen wir von unserer Mutter, die mit dem Nachschub kaum nachkommt, und so anfängt, aus dem eigenen Körper nachzulegen. Die Faustregel „Ein Kind – ein Zahn“ ist immer noch nicht passée. Werdende Mütter nehmen außerordentliche körperliche Strapazen zugunsten des Lebens ihrer Kinder auf sich. (Danke, Mama!)
Der Fötus, das Embryo, das Baby, das Kind, der Erwachsene wird dann jahrzehntelang essen, trinken, atmen, heizen und Kleidung verschleißen. Wir beuten so allerlei Organismen aus, um uns selbst am Leben zu erhalten, und auch darüber hinaus – um unserer Konsumsucht nachzugehen.
Willentlich und unwillentlich sind wir alle Täter, Zerstörer, Killer. Betrachten wir die Toxine und Gifte, die wir uns unnötig zuführen – sind wir auch Selbstmörder und Opfer unserer eigenen Zerstörungslust.
Auf höherer Ebene treiben wir eine Umweltzerstörung mit nachhaltigem Massenaussterben von Insekten, Flora und Fauna voran, und zerstören so unsere eigenen Lebensgrundlagen.
Selbst in einem moderateren Modell zerstören wir bei jedem Schritt in der Natur, mit jedem gebauten Haus die Lebensgrundlage von Milliarden Mikroorganismen, Insekten und damit Vögeln, Fischen, Säugetierten und so weiter.

Gewalt, Aggression und Auto-Aggression gehören zu uns, wie das Leben selbst.
Ohne Tod kein Leben, ohne Leben kein Tod. Es geht nicht ohne.

Das anzuerkennen und demütig zu feiern ist ein Sinn des Lebens, sind wir doch auf der Welt, um das Leben in seiner Fülle zu erfahren!

Feiern wir die Destruktion, den Tod, die Gewalt! Auf, dass wir leben dürfen und alle Facetten des Lebens erfahren dürfen.

Mit dem Finger auf die Gewalt zu zeigen, wird sie zu einem Schatten machen, zu einem Hitler, Mao oder Idi Amin. Dann zeigt sie mit dem Finger auf uns zurück.

Erkenne die eigene Gewalt an. Reduziere sie dankbar und bewusst, damit sie in ihrer aktiven Form weniger zu wüten braucht. Dann gibt es eine Chance für Frieden!

5 Antworten auf “Gewalt und sonstige „Sünden“”

  1. Zeigst du mit dem Finger auf andere(s), so deuten drei deiner Finger auf dich selbst. Mer gibt sich die ersten und kleinsten Hinweise selbst, doch nicht mal die Eigenen „Zeiger“ werden (leider) von den Meisten wahrgenommen.
    ..aus dem Vergehen(Tod) entsteht Leben und dies ist ein Teil desselben, doch hat es mit Destruktivität niks zu tun und schon gar nicht mit Gewalt, oder gar Aggression ; es scheinen mir eher Worte der Ausrede zu sein, weil die vielen so sind und sich nicht eingestehen können, oder wollen, dass sie selbst der Kreator (wat’n Wort, um nicht anmaßendes Schöpfer zu verwendungsbenutzen) -sind_sein……
    *wat verstehet mer unter „Auto-Aggression“?
    -mein Traum besteht aus L-L-L-W , was soviel heißen soll wie: Liebe-Licht-Luft_Wasser, um zu leben und leben zu lassen.

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  2. Sehr gut, Karmen! Es gibt so viele Schatten mit denen wir uns auseinandersetzen könnten, viele sind uns gar nicht bewusst. Ein Kind! sagte mir einmal: „Der Krieg war einmal auch Liebe.“ Das hat mich verblüfft…

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  3. Karmen, dein Beitrag hat mich sehr berührt. Nicht nur ein anderer Blickwinkel auf die Dinge, auch so gut geschrieben:
    „***Feiern wir die Destruktion, den Tod, die Gewalt! Auf, dass wir leben dürfen und alle Facetten des Lebens erfahren dürfen.“***
    Wir versuchen wahrscheinlich alle, hier auf Erden keine Wüste zu hinterlassen, und doch gelingt es nicht, das ist offensichtlich. Was habe ich schon alles gegessen, wieviel Blumen zertreten, wieviel Kippen aus dem Autofenster geworfen, wieviele Mitmenschen beleidigt.
    Durch deine Sichtweise hingegen können wir jegliches schlechte Gewissen ablegen und leichter weg von „Moral“, hin zu Authentizität kommen. Denn das wahre tödliche ist nicht die Destruktion, die Natur selbst zeigt uns, daß sogar Waldbrände etc. ohne Einwirkung des Menschen hin und wieder vorkommen, da dann Neues wachsen und die Chemie des Bodens sich verändern kann. Das wirklich tödliche -im Sinne von lebendig tot sein-, ist die „Moral“, die mittels Glaubenssätzen nur dazu implantiert wurde, um uns kleinzuhalten. Erst kam die Kirche, heute sind es manche „Gurus“, die darauf rumreiten.
    Was machen bloß die Buddhisten, die sich auf die Fahne schreiben, kein Lebewesen zu töten?! Sie müssen sich ja beschissen fühlen, bei jedem Gänseblümchen, das sie zertreten haben. Sie können nicht glücklich werden.
    Danke auch yoga für den Spruch aus Kindermund!

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