Kreativität

Kreativität ist ein Kern-Thema des Menschseins.

Wir Menschen gehen ein, wenn wir unsere Kreativität unterdrücken.

Als junge Frau war ich auf verschiedenen Gebieten künstlerisch kreativ. Ich habe viele Jahre lang geschrieben, gezeichnet, Musik gemacht, Theater gespielt und Schmuck designt und hergestellt.

Während des Zahnmedizin-Studiums hörte ich mit all diesen Aktivitäten bewusst auf. Etwa im zweiten zahnärztlichen Assistenz-Jahr nach der Uni stellte ich schmerzhaft fest, dass mir kreativer Ausdruck massiv fehlte und ich ihn unbedingt brauche, um happy zu sein! Ich sehnte mich so sehr danach, dass ich anfing, nach dem Dienst  wieder ein bisschen zu zeichnen. In dieser Zeit entstanden ein paar Bilder, die ich immer noch mag und gut finde.
Die hohe Kunst, Kreativität in eher „unkreativen“ Arbeiten zu entwickeln und zu leben, also in meinem Fall den Beruf Zahnärztin kreativ auszulegen, konnte ich mir damals noch nicht zusammenreimen.

Zahnmedizin ist ein großartiger Lehrmeister in Sachen Menschsein: Angst, Schmerz, Scham, Krankheit, Verleugnung, Verdrängung, Mangel. Diese finsteren Strömungen, die zum Leben genauso gehören wie Mut, Gesundheit, Leichtigkeit, Draufgängertum, Ehrlichkeit, Einsicht und Überfluß, bringt fast jeder Patient irgendwie mit seinem Gebiss mit. Das universitäre Studium hatte uns darauf nicht vorbereitet und in meiner noch sehr kurzen Berufserfahrung hatte ich dieses Thema noch nicht als enscheidend identifiziert. Doch immerhin sind die zahnmedizinischen Antworten oftmals variabel, zumal die zahnmedizinische Erkrankung recht häufig verschiedene Verfahren, Materialien und Herangehensweisen anbietet- also Alternativen, die ALLE Vor und Nachteile, Risiken, Nebenwirkungen und unterschiedliche Preise (in Form von Zeit, Geld und Zahnsubstanz) haben.

Nicht nur die Therapie-Alternativen sind verschieden, sondern auch die Menschen, die sie wählen müssen, sind es. Dass Kreativität gefragt ist, die passende Lösung für den jeweiligen Patient zu finden, war mir damals noch nicht bewusst. Wie ich ein Gespräch lenken kann, damit der Patient entscheiden kann, welche Behandlung er wählt und wie ich ihn bei seiner Entscheidung lassen kann. Das war ein Prozeß, zumal ich zu Beginn meiner zahnärztlichen Tätigkeit noch nicht mal etwas über Gesprächslenkung wusste, und schon gar nichts davon, dass wir unseren Mitmenschen ihr eigenes Schicksal und ihre Entscheidungen zumuten können müssen.  Das kam alles mit der Zeit, und einen großen Sprung machte ich mit der Hypnose-Ausbildung. Doch zu der Zeit war ich -endlich- selbstständig, was an sich ein permanenter kreativer Prozeß ist.

Und tatsächlich sehe ich jetzt erst, wie all diese Fäden zusammen laufen. Kenntnisse ganz faktische Skills, Gedanken, Erfahrungen aus allen möglichen Bereichen können sich gegensetig befruchten. Jede neue Fähigkeit kann ein Durchbruch auf einem anderen Gebiet bedeuten. Meine Erfahrungen im Schmuck-Design haben meine Augen und meine Sinne für Form und Farbe, für Ästhetik im Allgemeinen geprägt. Inzwischen bin ich zertifiziert in Ästhetischer Zahnheilkunde, einer Disziplin, die mir außerordentliche Freude bereitet!

Jede Profession, sogar jeder Handgriff, jeder Gedanke kann kreativ sein, oder im Gegensatz dazu – einfach Dienst nach Vorschrift. Ich weiß noch, wie ich innerlich ungläubig die Augenbrauen hochzog, als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal irgendeinen Wirtschafts-Guru sagen hörte, „wer erfolgreich sein will, muss kreativ sein!“ Ich dachte, das genaue Gegenteil sei wahr.
Ha, was habe ich mich geirrt. War ich doch überzeugt davon, dass Kreativität brotlose Kunst sei!

Da bin ich ganz klar einem negativen Glaubenssatz aufgesessen, ohne auch einen blassen Schimmer davon zu haben, was ein negativer Glaubenssatz ist…

Herrlich, so eine Reise als Mensch… Was man nicht alles lernen und erleben darf…
In meiner Coaching-Praxis sehe ich mein Herzstück tatsächlich darin, die individuelle kreative Kraft zu entwickeln, und zur vollen Entfaltung zu bringen! Da weiß ich, wovon ich rede, und wie universal diese Energie ist.
Die Welt als ein kreatives Paradies zu erkennen, und anderen Menschen zu vermitteln, dass es genau das ist: das macht mich froh, das gibt mir Sinn!

2 Antworten auf “Kreativität”

  1. Ja, danke für den erbaulichen Text 🙂
    Kreativität ist das Natürlichste, was jedem Menschen mitgegeben oder ihm inne wohnt: zu werden, was ich bin, der Meister der eigenen Gestaltbildung, wie auch immer diese aussehen mag…
    Der Kreativität immant ist es, sie leben zu lassen, sie herauszulassen, sie blühen zu lassen, was jedes Kind macht.
    So ist und mündet Kreativität immer in „Individualismus“ – Vorschriften, Regeln, „Gesetze“ jedoch wirken dagegen wie Kristallisationspunkte, Starre erzeugend.

    Was wir jedoch im Sinne der Kreativität brauchen sind nur temporäre Lager, die sobald sie dysfunktional im Sinne der Kreativität werden, verlassen oder erneuert werden können.

    Kreativität ist also gleichzeitig die Kraft der Balance zwischen Feste schaffen, als notwendige Fundamente, Bodenbildung von Wirksamkeit im Sinne neuer Manifestationen – und andererseits der quirlenden Visionen und/oder Wünsche, die vorantreiben und eine auflösende Wirkung haben.

    Verlassen wir den Bereich Kreativität (z.B. durch das staatl. verordnete Antikreativitätstraining in der Schule usw.) entstehen Selbstwertprobleme und Ängste, die wieder nach „Sicherheiten“ schreien und damit das Kristallisieren (Verhärten) weiter betreiben während gleichzeitig eine Spinnerei entsteht (BODENlose Hirngespinste – Beispiel: virtuelle Welten).

    Durch Aberziehen der Kreativität kommt es weiterhin zu einer Bürokratisierung, eines aufgesetzten Reglements, welches wiederum die Kreativität der Einzelnen erschwert und diese die Tendenz bekommen, sich als Pseudogemeinschaften zusammen zu rotten (Peergroups, politcal-corectness, Arbeitgeben/Arbeitnehmer usw.) wodurch wiederum weitere Abhängigkeiten, entstehen, die zu weiteren Unsicherheiten/Selbstwertverlusten und damit Ängsten führen, die die Kreativität weiterhin unterdrücken …

    Würde die Kreativität bewahrt werden, so hätten wir heute eigentlich nur SELBST-ständige.
    Angestellte (was für ein schreckliches Wort, man lasse sich das mal auf der Zunge zergehen !!!) und das „Sicherheitsbestreben“ angestellt zu sein (also ein Brett kann ich irgendwo anstellen usw. – aber einen Menschen??? – das ist wirklich so krass – aber für die meisten so „normal“!!) wäre keine Option genausowenig es eine Option wäre, ein Geldsystem zu haben, welches 1% ihre „Kreativität“ sichert auf Grund der Ausbeutung von 99%, die man für sich an-ge-stellt hat …

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    1. Hammerbeitrag, wieder mal, Jürgen! Vielen Dank für Deine Ergänzungen! Und ich hab mir nicht nur das Wort „Angestellter“ auf der Zunge zergehen lassen.
      Der Satz „Verlassen wir den Bereich Kreativität (z.B. durch das staatl. verordnete Antikreativitätstraining in der Schule usw.) entstehen Selbstwertprobleme und Ängste, die wieder nach „Sicherheiten“ schreien und damit das Kristallisieren (Verhärten) weiter betreiben während gleichzeitig eine Spinnerei entsteht (BODENlose Hirngespinste – Beispiel: virtuelle Welten).“ hat es auch in sich…
      Vielen Dank nochmal!

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