Schmerz und Angst Adieu!

Seit über 18 Jahren bin ich Zahnärztin. Vor dem Zahnmedizin Studium habe ich etwa ein Jahr lang vollzeit in einem Zahntechnischen Labor gejobbt. Summa summarum beschäftige ich mich seit knapp 25 Jahren mit dem Thema Zahnmedizin.

Zahnärztlich zu arbeiten ist mir meistens eine zuverlässige Quelle von Freude und Erfolg und macht mir großen Spass. Was mir in den ersten Jahren meines Berufslebens jedoch sehr zu schaffen machte, waren die übergeordneten, psychologischen Komponenten, die die Patienten mitbrachten.

Viele Menschen, die zahnmedizinische Behandlung in Anspruch nehmen müssen, kämpfen zusätzlich zum Zahnproblem auch noch mit Angst, Schmerzen, negativen Vorannahmen und Anspannung. So habe ich tagtäglich mit den psychologischen Folgen von oralen Krankheiten und Traumen zu tun, allen voran Scham, Schuldgefühlen und Minderwertigkeitskomplexen, zusätzlich zum Schmerz und der Angst. Als junge Zahnärztin war ich darauf nicht speziell vorbereitet.

Schmerzausschaltung
Die Standard-Behandlung zur dentalen Schmerzausschaltung ist die lokale Anästhesie. Wenn man  bedenkt, dass Lokalanästhetika in akut entzündetem Gebiet ihre Wirkung nur bedingt entfalten, und noch dazunimmt, dass Schmerz-Wahrnehmungen und -Interpretationen individuell sehr verschieden ausfallen, dann kann man sich zusammenreimen, dass Lokalanästhesie manchmal unzureichend wirkt. Hinzu kommt, dass recht viele Menschen auch noch Angst vor Spritzen haben. Da kommen also „Läuse und Flöhe“ zusammen.
Neben der Lokalanästhesie bietet die Schulmedizin noch die Möglichkeit, mit allen damit verbundenen privaten Kosten und Risiken in Vollnarkose oder Sedierung behandelt zu werden.
Diese Option klingt vielen Patienten zurecht nach allzu großem Aufwand.

Umgang mit Angst
In einer Studie gaben 5% der Befragten an, keine Angst vor dem Zahnarzt zu haben. Das bedeutet, die große Mehrheit der Patienten hat mehr oder weniger Angst vor der Behandlung. Das las und erfuhr ich freilich erst deutlich nach dem Studium.
Extreme Anspannung wie bei Angstzuständen, wirkt sich nicht nur auf das Befinden des Patienten, sondern auch auf das Immunsystem, den Stoffwechsel, den Muskeltonus, die Blutungsneigung, die Wundheilung  usw. aus. 
Zur effektiven Kommunikation mit Angstpatienten gab es im Studium jedoch nur ein paar halbherzige Hinweise, aber kein richtiges Konzept oder Training. Zu Schuldgefühlen und Scham erst Recht nicht.

So war ich in den ersten Jahren meiner Berufspraxis auf mich allein gestellt, wie ich mit den psychologischen Phänomenen Schmerz und Angst umgehen soll. Doch mir war klar, dass die notwendige zahnmedizinische Behandlung und deren Prognose meistens viel besser ist, je entspannter sie durchgeführt werden kann.  Ich erkannte, dass ich lernen müsste, mit all diesen nicht zahnmedizinischen Themen viel besser umzugehen.

Ich recherchierte und fing an, mich für Zahnärztliche Hypnose zu interessieren.

2007 absolvierte ich eine Hypnoseausbildung bei der Deutschen Gesellschaft für zahnärztliche Hypnose.

Mit Hypnose kann man allerlei fantastische Dinge anstellen: Muskuläre und mentale Entspannung erzeugen, Zuversicht stärken, alte Traumata auflösen, Selbstheilungskräfte anregen, Speichelfluss und Schmerzwahrnehmung herunterregulieren, Kraftressourcen anzapfen.
Vor allen Dingen ermöglicht hypnotische Kommunikation, ein altes Thema aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Dafür muss man nichtmal in Hypnose gehen, sondern einfach mal die „richtigen Fragen“ stellen, zuhören, was gesagt wird und adäquat darauf eingehen.

Das war also genau das richtige Tool für mich.

Angst und Schmerz ADIEU!

Diese neuen Kommunikationsfähigkeiten ließen mich insgesamt besser zuhören. Obwohl die Möglichkeiten, beim Zahnarzt zu reden ohnehin limitiert sind, gelang und gelingt es mir immer wieder, dass die Patienten sich gut aufgehoben fühlen. Vielfach hörte ich von Patienten, dass sie die Praxis in einer viel besseren Verfassung verließen, als sie kamen. Das spornt mich an und macht mich glücklich.

Die Freude am Gespräch erlebe und genieße ich tagtäglich in der Praxis.
Meine Erfahrungen mit der effektiven individuellen Bewertung von Angst und Schmerz lässt sich auch in nicht zahnmedizinischem Kontext anwenden.
Schmerz und Angst sind daher für mich überaus interessante Forschungsfelder, die sich weit über die Zahnmedizin hinaus erstrecken. Patienten reden mit mir auch über ihre nicht zahnmedizinischen Ängste und Schmerzen, und auch da finden meine Anregungen Anklang.

Es ist schön dabei sein zu dürfen, wenn ein neuer Blickwinkel auf alte Themen fällt. Alles ändert sich, alles gerät in Fluß.

Photo by Ian Turnell on Pexels.com

 

3 Antworten auf “Schmerz und Angst Adieu!”

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