Was machen Sie beruflich?

…ist mit 16 – 25 wahrscheinlich eine neue und aufregende Frage.

Mit Mitte 40 habe ich diese Frage natürlich sehr oft gehört und beantwortet. Als Zahnärztin hatte ich dabei mit sehr stereotypen Reaktionen umzugehen, die mich irgendwann wirklich nervten oder langweilten.  Am allerhäufigsten :“Waas? das könnte ich ja niiiie machen!!!
Direkt gefolgt von „und fährst du schon Porsche?“ oder „wählst du dann FDP?“

🙄

Dabei interessiert mich der Beruf der Menschen, denen ich begegne auch.
Und dennoch finde ich es abgedroschen, gleich als erstes nach dem Beruf zu fragen. Ich halte es da gerne mit den Fanta4:

Wo gehn wir hin?
Wo kommen wir her?
Was ist der Sinn?
Ist da noch meeehr?

Vor vielen Jahren hatte ich einen sehr netten aber schweigsamen Patienten, mit dem ich über mehrere Monate eine größere Zahnsanierung durchgeführt habe. Ich glaube, er genoss es, einfach seinen Mund zur Reparatur abzugeben und sich fortan im Stillen mit seinen eigenen Gedanken und Ideen zu beschäftigen.
Wir sprachen in all den Terminen nicht viel, und es war ein sehr angenehmes gemeinsames, „schaffiges“ Schweigen.

Als wir mit der Sanierung fertig waren, bedankte er sich und sagte: „wie schön, dass das alles noch rechtzeitig geklappt hat.“
Ich fragte, was er mit rechtzeitig meinte, und er sagte, dass er zum Ende des Monats aus beruflichen Gründen wegziehen würde.
Ich fragte, was er denn beruflich mache, und er sagte, er sei klassischer Gitarrist und er zöge nach Köln, wo damals die deutsche Musikindustrie hauptsächlich angesiedelt war.
Ich staunte und sagte – „Und das haben Sie mir nie erzählt?“
Er: „Nein.“
Ich: „Warum denn nicht?“
Er: „Weil SIE als erste in die Vollen gegangen sind und mit ihrem Beruf überhaupt nicht hinter dem Berg gehalten haben!“

Wir mussten sehr herzlich lachen und es war ein wunderbarer Abschied!

 

 

  1. Wobei natürlich meine eigenen Ängste dabei subsumierend ich meiner Älteren einst den Beruf des Dentisten erwägend schon auch entgegnete: Du bist ja abartig! Vielleicht nahm sie dies dann nicht so tiefernst, da es sein kann, dass ich gerade irgendwelche inneren Organe einer eigehenderen Inspektion unterzog. Doch nach wie vor finde ich den an mir, in mir fummelnden Zahnarzt etwas übergriffig – und gar nicht geht die Standardfrage: wie geht’s, tut’s weh – immer genau dann, wenn ich gewiß keine Antwort zu geben imstande ist.

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