Werte

Neulich spach ich mit meinem lieben Sebastian über einen der letzten Blogbeiträge, und er fragte mich, ob ich denn glaube, dass jemand, der depressiv ist, sich einfach so selbst eine Freude machen könne.

Sich selbst aus so einer destruktiven Gemütsverfassung eine Freude zu machen ist eher unrealistisch.
Realistisch ist aber, sich in Zeiten, in denen es einem mental gut geht, damit auseinanderzusetzen, was man denn selbst bräuchte, um aus einem finsteren Tal von depressiven Schüben oder Trauer, Blockierung, Burnout oder ähnlichem wieder heraus zu kommen.

Da kommen wir ganz schnell zum persönlichen Wertesystem.

Reflektierst Du bei klarem Geist über Deine Werte, wird Dir klar, was Dir wichtig ist und wofür Du stehst und stehen willst. Über Deine Werte Bescheid zu wissen, ist natürlich auch nützlich wenn Du geistig fit und gesund bist, denn Werte bieten Orientierung – wenn Du psychisch fit bist, noch mehr. Aber auch in schwachen Zeiten kann es helfen, seine Werte zu kennen.

Zum einen sind Depressionen ja nicht immer sofort und die ganze Zeit auf einem suizidalen Niveau, sondern es gibt verschiedene Phasen und Schweregrade. Auf dem Weg in Richtung einer schweren Depression kann es durchaus Abzweigungen geben, an denen kreative Aktionen, die das eigene Gemütsleben umwandeln können, möglich sind.
Zum Anderen gibt es auch leichtere Formen der Depression, bei denen unter Umständen ein Fensterchen für mentale Veränderung ein kleines bisschen offen ist.

Der Hirnforscher Dr. Norman Doidge erklärt uns schon seit vielen Jahren, dass Neuroplastizität im Sinne von Wachstum, Regeneration und Neuvernetzung von Hirngewebe sehr wohl auch in geschädigten, kranken oder zerstörten Hirnarealen geschieht.

Ich wage zu behaupten, dass sich jemand, der seine Werte kennt, leichter aus den Klauen von psychologisch belastenden Episoden befreien wird, als jemand, der weniger werte-bewusst durchs Leben geht.
Weiss man um seine wichtigen Werte, dann fällt man vielleicht auch nicht so tief und zertstörerisch in ein reaktives Verhaltensmuster, das zum Beispiel durch Traumata, Schicksalsschläge oder Ähnliches ausgelöst werden kann.

Theresia Katharina Koch hat sich die Mühe gemacht, ein pfiffiges Papier zu veröffentlichen, anhand dessen Du Deine Werte bestimmen kannst:

http://empowerment.center/wp-content/uploads/2017/11/Werteliste.pdf

7 Antworten auf “Werte”

  1. Ich finde es ebenfalls wichtig seine Werte und Prioritäten quasi als eine Art Richtschnur zu bestimmen.
    Wertsysteme erleichtern dann womöglich die Entscheidungsfindung, die bei Depressionen infolge von quälenden Grübeleien & festgefahrenen Gedankenmustern ja meist erschwert ist.

    Über eigene Wertvorstellungen zu reflektieren, kann auch helfen, emotional instabile Phasen zu meistern. Rationalisieren gilt ja bekanntlich auch als psychischer Abwehrmechanismus.

    Die Dosis macht wie immer das Gift. Denn dieses Philosophieren / Reflektieren kann letztendlich auch wieder in einem ungesunden (depressiven) Gedankenkarussell münden.

    Zudem ist es gerade für Depressive wichtig ins Handeln zu kommen, um sein Lebenskonzept nachhaltig zu ändern, denn das Alte hat ja zur Erkrankung geführt . Dieser Schritt ist meist die viel grössere Hürde als der Prozess der analytischen Selbsterkenntnis.
    Zu viel Nachdenken und Analysieren ist nicht selten eine Art unbewusste Selbstsabotage aus Angst vor Veränderung.

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  2. Ein wirklich sehr spannender Artikel. Und ich kann dem nur zustimmen – aus eigener Erfahrung. 🙂 Sich seiner Werte bewusst zu sein und diesen zu folgen kann gerade in schweren Zeiten helfen. Man hat trotz wegbrechenden Konstanten ein inneres Ziel vor Augen, dem man folgt. Und man kennt mit den Werten zugleich innere Stärken.
    Das ist eine innere Ressource und die sind meistens relativ stabil – im Verhältnis zu äußeren wie Beziehungen, Freundschaften oder auch Besitz.

    Vor kurzem habe ich eine Ausbildung zum Psychologischen Berater gemacht und da war auch von den neuronalen Netzen die Rede, die man stärken kann, indem man entsprechende Gedanken fördert. Negatives Denken bildet im Gehirn beispielsweise anderswo Netze aus als positives Denken. Je öfter man nun z.B. positiv denkt, desto stärker werden diese Netze. Und je stärker die Netze sind, desto öfter werden hierüber Gedanken geleitet. Die Dozentin meinte, man könne sich das so vorstellen wie die Infrastruktur: Autobahnen werden auch deutlich öfter genutzt als Feldwege.

    Und dabei gibt es auch die Technik des Reframing, bei der man einen negativen Umstand in einen positiven umwandelt, also der Sache einen neuen Rahmen gibt.
    So ist z.B. jemand, der seiner Meinung nach zu still ist wahrscheinlich ein guter Zuhörer. Und wenn man ihm das sagt, kann ihm das eine völlig andere Perspektive offenbaren. Er erkennt eine Stärke hinter der vermeintlichen Schwäche. Und das kann auch noch in Zeiten der Krise ganz gut helfen, wenn man plötzlich einen neuen Blick aufs große Ganze bekommt, und auf seine Probleme, die in vielen Fällen auch Chancen sind.

    Ich glaube auch, wenn man sich dessen vor einer Krise bewusst ist, kann man das sehr gut nutzen, um sich selbst ein Stück weit zu helfen.

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