Mein Brief an das Bundesgesundheitsministerium, an die Kassenzahnärztliche Vereinigung Berlin und die Bundeszahnärztekammer

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

aktuell befinden wir uns in einer sehr schwierigen Situation, die wir gemeinsam bewältigen müssen.
Das derzeitige Hauptziel ist es bekanntermaßen, die Verbreitung des Corona Virus zu verlangsamen. Hierbei wird scheinbar übersehen, dass Zahnarztpraxen ein erheblicher Multiplikator hierfür sind, allein schon aufgrund unseres Arbeitsgebietes und des extremen Mangels an Schutzkleidung.
Es wurden bisher keine erkennbaren ausreichenden Maßnahmen ergriffen, um dies zu verhindern und unsere Berufsgruppe zu unterstützen. Die wenigen Ressourcen, die uns bleiben, sollten nicht für uns, sondern für Humanmediziner aufgewendet werden. Dass der zahnärztliche Betrieb unverändert aufrechterhalten wird, ist unverantwortlich!

Es kann allerdings nicht von uns verlangt werden, dass wir in Eigeninitiative unsere Praxen schließen, da dies wirtschaftlich für die meisten von uns nicht darstellbar und der Zeitraum nicht absehbar ist. Ich fordere Sie deshalb auf alle Zahnarztpraxen behördlich angeordnet schließen zu lassen und gleichzeitig eine angemessene finanzielle Entschädigung zu gewährleisten. Ob eine kurzfristige Übergangszeit zur Abwicklung laufender Behandlungen Berücksichtigung findet, muss abgewogen werden.

Gleichzeitig muss ein zahnärztlicher Notdienst installiert werden, der wiederum mit Schutzkleidung ausgestattet werden muss. Bitte handeln Sie und lassen Sie uns nicht weiter im Stich!

Mit freundlichen Grüßen Karmen Jurela
www.panorama1.de

 

Diesen Appell nach oben habe ich mir nicht selbst ausgedacht, sondern andere Kolleg:innen, die sich genauso aufregen wie ich.
Ich habe diesen Text vor einigen Tagen an die die Kassenzahnärztliche Vereinigung Berlin, die Bundeszahnärztekammer und ans Bundesgesundheitsministerium gemailt.
Es hat gar nichts gebracht.

Die Empfehlungen, die Tag für Tag von dort eintröpfeln sind unterirdisch, und ja… wieso soll der Bund auch seine Ärzte und Zahnärzte retten? Ah, stimmt, wir sind ja Unternehmer….
Dass ich nicht lache.
Unternehmer, die keine Werbung machen dürfen, und ihre Rechnungen nach Vorgaben aus den Jahren 1988 und 2012 stellen müssen, und Leistungen, die sie überdurchschnittlich oft abgerechnet haben, nicht nur erbringen, sondern dann auch selber bezahlen.
Unternehmer, die mit überdrehten Hygieneanforderungen und Phantasie-Validierungen neuer Geräte geplagt werden, und dann wenn Hygiene wirklich notwendig ist, nichtmal Mundschutz und Desinfektionsmittel von den ECHTEN Unternehmern erhalten…
Die, juristisch betrachtet, getestete Corona-infizierte auch ohne Mundschutz behandeln müssen.

Ein Glück kümmern sich unsere übergestellten Organe darum, dass Corona nicht weiter ausgebreitet wird, indem sie seit Tagen nur noch im Home-Office erreichbar sind.

Und noch eines:
Der Beruf der Prophylaxe-Assistentin ist nach einer Untersuchung von onetonline der Gefährlichste Beruf gefolgt von Zahnärzt*innen und Assistentinnen.
Die NYT kommt zu einem sehr ähnlichen Ergebnis im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

WTH???

 

5 Antworten auf “Mein Brief an das Bundesgesundheitsministerium, an die Kassenzahnärztliche Vereinigung Berlin und die Bundeszahnärztekammer”

  1. Auf die Probleme der sozialen und medizinischen Berufe will ich gar nicht eingehen, sondern nur eine Randfrage stellen: gefährlichster Beruf? Ich dachte bisher, das ist bei uns der Waldarbeiter, der sogenannte Forstwirt, der ja keine Waldwirtschaft betreibt, sondern (hat man eigentlich endlich den Akkord abgeschafft?) z.B. nach einem Sturm so eine Mikadolandschaft von Plantagenfichten aufräumen darf. Zum Rest nur angedeutet: was passiert eigentlich mit dem Schulkind der alleinerziehenden Helferin, die ja bekannt unverzichtbar ist? Ach so, wahrscheinlich bei Oma… sonst hat sie halt ein Problem.

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    1. Eine Prophylaxe-Assistentin wird eher nicht vom Gerüst fallen oder von einem abgebrochenen Fichtenast getötet. Stimmt.
      In der Untersuchung geht es um Gefahrenstoffe und Infektionsgefahr.

      Wenn der Vater des Kindes auch in einem „sytemrelevanten“ (Medizinischen) Beruf tätig ist, darf einer der beiden zu Hause beim Kind bleiben.

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      1. TEils ein: stimmt. WEnn ich von einer LEiter falle, dann nicht beruflich (grober versicherungstechnischer Nachteil).
        – Das mit dem Daheimbleiben (wenn es denn einen real existierenden Partner gibt) – in medizinischen BErufen? Wo hat man denn noch den PErsonalüberhang? Im Einzelhandel mal gar nicht. Und bisher dachte ich immer, wir hätten eher zu wenig PFlegekräfte, Krankenhauspersonal, nicht viel besser Laborkräfte! Das einzige, was ich in der Sache gehört habe, dass man jetzt 12 Stunden am STück arbeiten darf… Auch Kontakt und Risikogebiet sind noch kein Grund, daheimzubleiben (das gibts schriftlich).

        Gefällt 1 Person

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